Barrierefreies Webdesign, was ist das überhaupt? Eine profitorientierte Definition für Unternehmer.

Barrierefreies Webdesign, was ist das überhaupt? Eine profitorientierte Definition für Unternehmer.

Für Sie vielleicht kaum vorstellbar: Fast jeder Fünfte ist auf irgendeine Weise behindert. Das zeigen Untersuchungen in Deutschland und vielen anderen Ländern. Betrachtet man den Schweregrad der Behinderung, kann man allein in Deutschland von rund 10 Millionen behinderten Menschen sprechen. Auf Europa hochgerechnet eine gewaltige Zahl. Diese Menschen können zum Beispiel Ihre Internetseiten nicht mit einem „normalen“ Computer betrachten und lesen. Zu dieser Gruppe zählen vor allem blinde Menschen. Für sie ist das Internet eine wunderbare Bereicherung ihrer Kommunikationsmöglichkeiten. Zum anderen können viele Menschen keine Mouse bedienen. Sei es durch einen Unfall, durch eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Hände oder andere chronische bzw. momentane Behinderungen. Stellen Sie sich vor, Sie brechen sich beim Skifahren den Arm und müssen beruflich mit dem Internet arbeiten...

All diese Menschen sind darauf angewiesen, Ihre Website nur mit Hilfe der Tastatur (Tabulator-Taste, Eingabetaste, Pfeiltasten) zu bedienen. Versuchen Sie das mal! Sie werden erstaunt sein, wie unglaublich schwer das ist, wenn Ihre Website nicht speziell dafür optimiert wurde.

Für bewegungseingeschränkte Menschen gibt es deshalb die exotischsten Hilfsmittel. Damit können sie Internetseiten mittels Mund, Kopf oder Augen, mit dem Atem oder über die Stimme steuern. Einige dieser Hilfsmittel zeigt Ihnen diese englischsprachige Website: Assistive Technologies for Motor Disabilities.

Nicht nur Behinderte werden behindert!

Neben diesen offensichtlichen Handicaps, Internetseiten zu besuchen, zu steuern und zu verstehen, gibt es weitere Gründe, warum Sie Ihre Website unbedingt für alle zugänglich, sprich barrierefrei, gestalten sollten.

So können sich zahlreiche Menschen nicht immer 100%-ig konzentrieren oder Texte beim ersten Lesen direkt verstehen. Dazu muss noch nicht mal eine geistige Behinderung vorliegen.

Vielleicht sind Sie selbst auch gerade nicht in Bestform? Weil Sie einfach nur müde sind. Weil Sie den ganzen Tag in der Stadt vergeblich ein Weihnachtsgeschenk gesucht haben. Und jetzt als letzte Rettung schnell noch im Internet etwas bestellen möchten. „Verflixt noch mal, warum ist denn die Bedienung dieser Shopping-Seite so kompliziert? Und warum sind die Texte so umständlich geschrieben. Da muss ich ja alles dreimal lesen!“, ärgern Sie sich zu Recht.

Wie müssen sich dann erst Menschen fühlen, die an Dyslexie (Teilverlust intakter Lesefähigkeit durch Hirnverletzungen od. Hirnerkrankungen) leiden? Oder Menschen mit Alzheimer? Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom? Verlust der Gehirn-Funktion, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Multiple Sklerose, Parkinson, altersbedingte Konzentrationsschwäche, Lernbehinderung,...

Diese Liste ließe sich wahrscheinlich unendlich fortsetzen. Sie müssen also nicht im eigentlichen Sinne „behindert“ sein, um Schwierigkeiten mit der Bedienung einer Website zu haben. Und genau hier setzt das „barrierefreie Webdesign“ an. Es macht alles einfacher. Und zwar für ALLE – nicht nur für Menschen mit offensichtlichen Behinderungen.

Weg mit den Barrieren!

Der mittlerweile zum Ritter geschlagene Erfinder des World Wide Web, Sir Tim Berners-Lee, sieht es so:

„The power of the web is in its universality. Access by everyone regardless of disability is an essential aspect.“

Zu Deutsch:

„Die Kraft des Internets liegt in seiner Vielseitigkeit, in seinem universellen Nutzen. Der freie Zugang, ungeachtet von Behinderungen, ist daher ein wesentliches Element.“

Das WWW hat das Potenzial, ein wirklich barrierefreies Medium zu sein.

Doch die Realität sieht weit anders aus: 99,99% aller Websites im Internet sind gar nicht oder nur minimal barrierefrei. Viele Menschen kämpfen Tag für Tag völlig unnötig damit, um an die gewünschten Informationen zu kommen. Immer gibt es irgendwelche Barrieren. So schaffen es viele Menschen beim besten Willen nicht, ihr Geld bei Ihnen auszugeben. Das sollte jedes Unternehmen aufhorchen lassen.

Navigation impossible?

Für den typischen Besucher einer Website sind diese Barrieren nicht einmal sichtbar. Doch als Blinder würden auch Sie es zu schätzen wissen, wenn nicht nur ein Bild gezeigt würde, sondern dazu auch ein beschreibender Text (per Alt-Text). Den könnte nämlich Ihr spezielles Internet-Lesegerät für Blinde erkennen und vorlesen. Besonders wichtig ist dies für die Seitennavigation. Sind Ihre Navigationsbilder (Buttons) unbeschriftet, wird man als Blinder niemals erfahren, wo es zu Ihrer „Startseite“, zu „Produkte“ oder zum „Kontakt“ geht.

Diese Seite ist für Blinde unbrauchbar. Dabei gibt eine ganz einfache Technik, mit der Sie Bilder auch als Navigationselemente einsetzen können. Und das barrierefrei. Der Trick ist das so genannte „Alt-Attribut“. „Alt“ steht für „Alternativ“. Kann oder soll ein Bild nicht angezeigt werden, sorgt das „Alt-Attribut“ dafür, dass alternativ der Bild-Text dort steht (und z.B. vorgelesen werden kann). Ein Beispiel:

Nicht barrierefrei: <img src="produkte.jpg" />
Barrierefrei: <img src="produkte.jpg" alt="Produkte" />

Einfach, oder? Trotzdem machen es die meisten Websites leider nicht. Viele weitere Tipps und Anregungen, wie es besser geht, geben die Richtlinien für barrierefreies Webdesign. Zum Beispiel die deutsche BITV, die internationalen WCAG und die amerikanische Section 508.

Unglaublich, aber wahr: Barrierefreies Webdesign ist nicht teurer.

Warum? Die meisten der Barrierefrei-Richtlinien sind sehr einfach umzusetzen und verursachen deshalb keine Mehrkosten bei der Erstellung Ihrer Website. Mehr dazu in unserem nächsten Artikel: Ist barrierefreies Webdesign teurer als „herkömmliches“ Webdesign?

Sie möchten eine exakte Definition, wann eine Website als barrierefrei gilt? Gerne:

Eine Website gilt als „barrierefrei“, wenn ihre Inhalte, ohne Einschränkung von Ort, Erfahrung oder Computer-Technologie, von „jedem“ gelesen, gehört, betrachtet und navigiert werden kann.

In der Regel verwendet man den Begriff „Barrierefreiheit“ im Zusammenhang mit behinderten Menschen. Sie sind durch unzulängliches Webdesign am stärksten benachteiligt. Die Informationsbeschaffung wird für sie deutlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich.

Barrierefreies Webdesign macht das Internet effizienter. Für alle.

Denn auch wer nicht behindert ist, wird sich darüber freuen, schneller ans Ziel seiner Informationswünsche zu kommen. Allein schon deshalb lohnt es sich für Sie, Ihre Inhalte ab sofort barrierefrei zu gestalten.

Lesen Sie dazu auch die Artikel:

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